
Skitouren in NÖ: Einstieg für Familien
17.10.2026 · Ski Second Hand
Skitourengehen ist Skifahren ohne Lift. Das Prinzip: Auf die Unterseite der Ski werden sogenannte Felle geklebt, Streifen aus Mohair oder Synthetik, die in eine Richtung gleiten und in die andere bremsen. Damit steigen Sie auf Ski den Berg hinauf, auf Forstwegen, über Almwiesen, durch verschneiten Wald. Oben angekommen, werden die Felle abgezogen, und Sie fahren auf denselben Ski wieder ab, durch unverspurten Schnee, über freie Hänge, abseits jeder präparierten Piste. Sie gehen in Ihrem eigenen Rhythmus und brauchen keinen Liftpass.
Das klingt nach einer Aktivität für hartgesottene Alpinisten, ist es aber nicht. Der Aufstieg dauert je nach Tour zwischen einer und mehreren Stunden und ist körperlich vergleichbar mit einer Bergwanderung im Schnee. Die Abfahrt ist die Belohnung, kurz, intensiv und oft durch Gelände, das kein Pistenfahrer je zu Gesicht bekommt. Gerade in Niederösterreich gibt es Touren, die auch für Familien mit Kindern machbar sind, wenn die Grundvoraussetzungen stimmen. Skitourengehen ist auch eine der nachhaltigsten Formen des Wintersports: Sie brauchen dafür weder Lift noch Beschneiung.
Dieser Beitrag erklärt, was Sie für den Einstieg brauchen, wo Sie in NÖ gute Anfängertouren finden und worauf Sie bei der Sicherheit keinesfalls verzichten dürfen.
Warum NÖ ideal für Einsteiger ist
Wer an Skitouren denkt, denkt an Tirol, an steile Rinnen und vergletscherte Gipfel. Für Anfänger, und besonders für Familien mit Kindern, ist das der falsche Einstieg. Niederösterreich bietet genau das, was man für die ersten Touren braucht: Auch in Niederösterreich erfordern Skitouren eine sorgfältige Beurteilung von Gelände, Schneedecke und Lawinenlage. Planen Sie erste Touren mit qualifizierter Begleitung und passend zum Können aller Teilnehmenden.
Sanftere Hänge: Die Berge in NÖ bewegen sich großteils zwischen 800 und 1.900 Metern Seehöhe. Die Hänge sind flacher als in den Westalpen, viele Routen führen über breite Almwiesen und Forstwege. Das erleichtert sowohl den Aufstieg als auch die Abfahrt, besonders für Kinder, die im steilen Gelände schnell überfordert sind.
Weniger Lawinengefahr auf Almgelände: Almwiesen und die Lage unterhalb der Waldgrenze sind keine Sicherheitsgarantie. Berücksichtigen Sie auch Hangneigung, Schneedecke und mögliche Lawinen aus höher gelegenen Hängen. Viele NÖ-Touren bleiben in diesem Bereich. Das heißt nicht, dass es keine Lawinengefahr gibt, dazu gleich mehr, aber das Risiko ist bei richtiger Tourenwahl und korrekter Einschätzung der Verhältnisse beherrschbarer als im hochalpinen Gelände.
Kurze Anfahrt: Von Wien aus erreichen Sie die meisten tourentauglichen Gebiete in NÖ in ein bis zwei Stunden. Kein Tagesausflug mit 500 Kilometern Anreise, kein Stau am Arlbergtunnel. Für Familien mit Kindern, die nach drei Stunden genug haben, ist das ein entscheidender Vorteil: kurze Anfahrt, kurze Tour, früh wieder zu Hause.
Viele leichte Touren: NÖ hat eine überraschend große Auswahl an einfachen Skitouren. Der Alpenverein (ÖAV) listet in seinem Tourenportal zahlreiche Routen in den Wiener Hausbergen und im Mostviertel, die als leicht eingestuft sind und sich für Einsteiger eignen.
Ausrüstung für die erste Skitour
Skitourengehen erfordert spezielle Ausrüstung, die sich von der normalen Pistenausrüstung unterscheidet. Hier die wesentlichen Bestandteile:
Tourenski: Leichter und schmaler als Pistenski, mit speziellen Befestigungspunkten für Felle. Für Einsteiger empfehlen sich Allround-Tourenski mit moderater Breite (ca. 80-90 mm Mittelbreite), sie tragen gut im Aufstieg und verzeihen Fehler bei der Abfahrt.
Felle: Steigfelle aus Mohair, Synthetik oder einer Mischung aus beidem. Sie werden auf die Unterseite der Ski geklebt und ermöglichen das Aufsteigen. Felle müssen zur Skilänge und -breite passen.
Tourenbindung: Bindungen, die hinten offen sind (die Ferse ist frei), damit Sie im Aufstieg natürlich gehen können. Für die Abfahrt wird die Ferse arretiert: dann funktioniert die Bindung wie eine normale Skibindung.
Tourenschuhe: Steifer als Wanderschuhe, flexibler als Pistenskischuhe. Sie haben einen Gehmechanismus, der den Schaft beim Aufstieg beweglich macht, und einen Skimodus, der den Schaft für die Abfahrt fixiert. Passform ist hier besonders wichtig, schlecht sitzende Tourenschuhe ruinieren jede Tour.
LVS-Set, NICHT VERHANDELBAR: Das ist der Punkt, an dem es keine Kompromisse gibt. Jede Person, die abseits gesicherter Pisten unterwegs ist, braucht ein Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), eine Lawinensonde und eine Lawinenschaufel. Jede. Ohne Ausnahme. Auch auf leichten Touren. Auch auf Almwiesen. Auch bei Lawinenwarnstufe 1.
Das LVS-Set ist Ihre Lebensversicherung und die Ihrer Begleiter. Im Ernstfall haben Sie 15 Minuten, um eine verschüttete Person zu finden und auszugraben, ohne LVS, Sonde und Schaufel ist das praktisch unmöglich. Die Geräte müssen eingeschaltet und am Körper getragen werden, nicht im Rucksack, nicht ausgeschaltet im Auto. Am Körper, eingeschaltet, bei jedem Meter abseits der Piste.
Weiteres: Skitourenrucksack (25-30 Liter), Harscheisen (für eisige Passagen), Skibrille und Sonnenbrille, Sonnencreme (die UV-Strahlung im Gebirge ist intensiv), ausreichend Flüssigkeit und Verpflegung, Erste-Hilfe-Set, geladenes Handy.
Einsteigertaugliche Touren in NÖ
Niederösterreich hat mehrere Gebiete, in denen sich Touren für den Einstieg mit Kindern finden. Welche Route passt, hängt von Schneelage, Kondition und Erfahrung ab, deshalb nennen wir hier keine Einzeltour, sondern die Kriterien, nach denen Sie auswählen: kurzer, gleichmäßiger Aufstieg über Forstwege oder breite Hänge, moderate Höhenmeter, übersichtliche Abfahrt und eine Möglichkeit, die Tour unterwegs abzukürzen.
Konkrete Routen mit Schwierigkeitsbewertung, Höhenmetern und Zeitangaben finden Sie beim ÖAV und bei den Naturfreunden Österreich.
Grundsätzlich gilt: Informieren Sie sich vor jeder Tour über die aktuelle Schnee- und Lawinenlage beim Lawinenwarndienst NÖ. Planen Sie die erste Familien-Tour konservativ, lieber kürzer als geplant als ein überfordertes Kind am Berg.
Sicherheit: Lawinengefahr immer ernst nehmen
Das ist der wichtigste Abschnitt dieses Beitrags. Skitourengehen findet im freien Gelände statt, abseits gesicherter und kontrollierter Pisten. Im freien Gelände können Sie nicht mit der Sicherung und Betreuung einer geöffneten Skipiste rechnen. Organisierte Hilfe kann Zeit benötigen. Sie sind für Ihre Sicherheit und die Sicherheit Ihrer Kinder selbst verantwortlich.
LVS-Kurs vor der ersten Tour: Besuchen Sie einen Lawinenkurs, bevor Sie zum ersten Mal auf Tour gehen. Nicht danach, nicht irgendwann, davor. Der Alpenverein und die Naturfreunde bieten solche Kurse regelmäßig an, auch in Wien und NÖ. In diesen Kursen lernen Sie den Umgang mit dem LVS-Gerät, die Verschüttetensuche mit Sonde und Schaufel, und, am wichtigsten, die Beurteilung der Lawinengefahr im Gelände.
Lawinenlagebericht lesen: Vor jeder Tour prüfen Sie den aktuellen Lawinenlagebericht auf lawine.at. Dieser Bericht gibt die aktuelle Gefahrenstufe an (1 bis 5) und beschreibt, wo und warum Lawinen möglich sind. Auch bei niedriger Gefahrenstufe können gefährliche Lawinen auftreten. Die Zahl allein entscheidet nicht über die Eignung einer Tour. Beachten Sie die beschriebenen Gefahrenstellen und gehen Sie als Anfänger nur mit entsprechender Ausbildung und qualifizierter Begleitung.
Niemals allein: Gehen Sie nie allein auf Skitour. Immer mindestens zu zweit, besser zu dritt oder in einer Gruppe. Im Ernstfall muss jemand suchen und graben können, während eine weitere Person den Notruf absetzt. Mit Kindern bedeutet das: Mindestens zwei erwachsene Personen, die mit dem LVS-Gerät umgehen können.
Umkehren ist keine Schwäche: Wenn die Bedingungen nicht stimmen, zu viel Wind, schlechte Sicht, instabile Schneedecke, Kind zu müde, drehen Sie um. Die Tour läuft nicht weg. Der Berg steht nächste Woche noch.
Das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) weist regelmäßig auf die steigende Zahl von Unfällen beim Skitourengehen hin, oft verursacht durch mangelnde Ausbildung und fehlende Ausrüstung. Gehören Sie nicht zu dieser Statistik.
Kosten: Tourenausrüstung ist eine Investition
Neue Tourenausrüstung ist teuer, deutlich teurer als eine Pistenausrüstung. Ein neues Einsteiger-Set (Tourenski, Felle, Tourenbindung, Tourenschuhe, LVS-Gerät, Sonde, Schaufel) kostet in Summe leicht über 1.000 Euro. Hochwertige Komponenten treiben den Preis schnell auf 1.500 bis 2.000 Euro und darüber.
Tourenski mit Bindung: Für eine Skitour benötigen Sie passende Tourenski, kompatible Schuhe und Bindungen, Felle sowie vollständige Notfallausrüstung. Holen Sie dafür aktuelle Angebote eines spezialisierten Anbieters ein. Ski Second Hand bietet keine Tourenausrüstung an. Hochwertigere Sets kosten 800-1.200 Euro.
Tourenschuhe: Neue Tourenschuhe liegen zwischen 300 und 600 Euro. Bei Schuhen ist die Passform entscheidend, hier lohnt sich eine fachkundige Beratung.
LVS-Set (Gerät + Sonde + Schaufel): Ein neues Set kostet zwischen 300 und 500 Euro. Am LVS-Gerät wird nicht gespart, es muss zuverlässig funktionieren und den aktuellen Standards entsprechen. Gebrauchte LVS-Geräte nur kaufen, wenn Herkunft und Zustand eindeutig nachvollziehbar sind.
Felle: Neue Felle kosten zwischen 80 und 150 Euro.
Gebrauchte Tourenausrüstung kann die Einstiegskosten deutlich senken. Tourenski, Bindungen und Schuhe aus zweiter Hand sind, bei fachgerechter Prüfung, eine sinnvolle Alternative zum Neukauf, besonders wenn Sie erst herausfinden wollen, ob Skitourengehen überhaupt Ihr Sport ist.
Tourenausrüstung führen wir bei Ski Second Hand nicht. Für Tourenski, Felle und Tourenschuhe wenden Sie sich an einen Fachhändler mit Tourensortiment.
Bevor es auf Tour geht, sollten Kinder sicher auf der Piste fahren können, die besten Übungsgebiete in NÖ haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengestellt.
Ab welchem Alter können Kinder auf Skitour?
Eine häufige Frage, auf die es keine pauschale Antwort gibt, aber eine klare Richtlinie: Kinder sollten sicher und selbstständig auf der Piste fahren können, bevor sie auf Skitour gehen. Das bedeutet kontrolliertes Kurvenfahren, sicheres Bremsen, Erfahrung auf roten Pisten. Wer auf der Piste noch unsicher ist, ist im freien Gelände überfordert.
Neben der Skitechnik brauchen Kinder für Skitouren vor allem eines: Ausdauer. Der Aufstieg ist körperlich anstrengend, und Kinder ermüden schneller als Erwachsene. Eine Stunde bergauf gehen mit Ski an den Füßen ist etwas anderes als eine Stunde Liftfahren und Pistenabfahrt.
Als Richtwert gelten 8 bis 10 Jahre für die ersten leichten Touren, wobei das stark vom einzelnen Kind abhängt. Manche Kinder sind mit 8 Jahren ausdauernd genug, andere mit 10 noch nicht. Entscheidend sind nicht Alter und Größe allein, sondern Motivation, Kondition und Erfahrung auf der Piste.
Für die erste Tour mit Kindern gilt: kurze Distanz, wenig Höhenmeter (300-400 Hm maximal), breite und übersichtliche Abfahrt, genug Pausen, und vor allem, keinen Druck. Wenn das Kind nach der Hälfte nicht mehr will, kehren Sie um. Die Freude am Tourengehen entsteht durch positive Erlebnisse, nicht durch durchgezogene Tagesziele.
Ein letzter Punkt: Kinder brauchen eigene LVS-Geräte, Sonde und Schaufel in passender Größe. Lassen Sie die Notfallausrüstung für jedes Gruppenmitglied fachkundig auswählen. Geringes Gewicht darf die Funktion von Schaufel und Sonde nicht einschränken. Der Umgang mit der Ausrüstung muss vor der Tour geübt werden. Und die Kinder müssen wissen, wie die Geräte funktionieren: das ist Teil der Vorbereitung, nicht optional.
Hinter Ski Second Hand steht Mag. Michael Nendwich, seit 2002 im Skifachhandel tätig und Bundessprecher des Sportfachhandels in der Wirtschaftskammer Österreich.

